Was tun? LUST wählen.

Die Liste undogmatischer StudentInnen (LUST) ist die kritische, parteiunabhängige linke Hochschulgruppe an der Uni Bonn. Sie besteht seit 1980 und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Als Studierende wollen wir unsere Ansichten und unsere Kritik in und an der Universität aktiv vertreten. Dies bedeutet für uns, sich in die Gremien der Universität und der verfassten Studierendenschaft einzubringen. Wir versuchen die limitierten Möglichkeiten der Einflussnahme auszunutzen, um konkrete Verbesserungen der Lebenssituation der Studierenden zu erreichen und nicht jede negative Veränderung unwidersprochen hinzunehmen. Im Bewusstsein der Beschränktheit studentischer Einflussnahme bleiben wir nicht der Hochschulpolitik verhaftet. Wir versuchen, Gesellschaftskritik zu üben und andere dazu anzuregen. In den jetzigen Verhältnissen bedarf Kritik bestimmter Voraussetzungen. Diese wollen wir verbessern bzw. überhaupt erst schaffen. Dies tun wir, indem wir uns innerhalb der Universität einbringen, aber auch mit außeruniversitären Gruppen zusammenarbeiten. So führen wir z.B. Seminare und Vorträge durch, beteiligen uns an Demonstrationen oder veröffentlichen unsere Positionen in Flugblättern. Die Kandidatinnen und Kandidaten der LUST sind darüber hinaus selbst in außeruniversitären Gruppen oder als Einzelpersonen aktiv. Hier finden sich undogmatische Linke, Antifaschistinnen und Feministen, Menschen, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv sind, Atheisten, Arbeits- und Wertkritiker, kritische Gewerkschaftsmitglieder und Bildungsaktivistinnen. Uns eint das Streben nach einer freien und solidarischen Gesellschaft ohne Staat, Nation und Kapitalherrschaft. Wir sind uns allerdings bewusst, dass es Schlimmeres gibt als das Ausbleiben der Revolution und kämpfen deswegen gegen all die reaktionären Bestrebungen, die der bürgerlichen Gesellschaft antiindividualistische, repressive Gemeinschaftsideologien entgegensetzen und an ihre Stelle noch viel Schrecklicheres setzen wollen.

Was wir getan haben
Seit über 30 Jahren betreibt die Liste undogmatischer StudentInnen (LUST) kritische linke Hochschulpolitik. Undogmatisch bedeutet für uns nicht, jeden Kompromiss mitzutragen, der uns an die äußerst bescheidenen Machthebel des AStA und seine – anderslautenden Gerüchten zum Trotz – schlecht bezahlten Posten bringen könnte.

Unsere hochschulpolitischen Erfolge im letzten Jahr
Im vergangenen Jahr, in dem wir drei der insgesamt einundfünfzig Sitze im Bonner Studierendenparlament (SP) innehatten, haben wir mit den Grünen, den JungsozialistInnen (Jusos) und den Piraten eine linke AStA-Koalition gebildet. Dies war aus unserer Sicht sinnvoll und erfolgreich, denn in dieser Koalition haben wir durch die Mitarbeit im Sozialreferat erreicht, dass die psychosoziale Beratung und eine feste Beratungsstunde für chronisch Kranke und behinderte Studierende Angebote wurden, die selbst durch eine Machtverschiebung im Studierendenparlament nicht ohne weiteres abgeschafft werden könnten. Neben unserem Engagement im Referat für Frauen und Gleichstellung ist es der LUST wichtig, sich im Referat für politische Bildung einzubringen, das seit Jahren von uns geleitet wird. Wie schon zuvor können wir auch diesmal auf eine Reihe erfolgreicher Veranstaltungen zurückblicken. Hier erfolgt eine Auswahl:

• unter dem Titel: „Die letzte Bastion der Heteros – Schwulenhass im Fussball“ ging der Kölner Journalist und langjährige Oberliga-Schiedsrichter Alex Feuerherd der Frage nach, warum gerade beim Fussball ein im Vergleich zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung geradezu archaischer Umgang mit dem Thema Homosexualität herrscht.
• Im Mai fand ein Symposium mit dem Titel: „Kritik des (Anti) Autoritären Charakters“ statt. Die drei geladenen Gäste leisteten facettenreiche Intepretationen des gesellschaftlichen Protest-Phänomens des Wutbürgers und konnten aus verschiendenen Fachrichtungen beleuchten, welche vermeintlich antiautoritären Vorstellungen von Staat und Ökonomie seinen Rebellionen zugrunde liegen. Als eine Gedankenanregung diente hierbei die Frage: Kann, wer denkt, wütend sein?
• Die Wochenendtagung: „Kritische Theorie und Islamische Republik Iran“ befasste sich mit dem Hegemoniebestrebungen und dem Antisemitismus der Regierung des Landes, indem 2009 die zuerst Erfolg versprechenden Massenproteste niedergeschlagen wurden. Unter Rückbezug auf Methodik und Begriffe der kritischen Theorie wurde eine Analyse der Ideologie des offiziellen Staatsapparates geleistet. Hierbei konnten mit dem Politikwissenschaftler Stephan Grigat aus Wien und dem Privatdozenten und politischen Aktivisten Farshid Feridony zwei Referenten gewonnen werden, die aufzeigten, dass oftmals gerade durch konfligierende Standpunkte eine umso bereicherndere Diskussion entsteht.
• Die Berliner Islamismusexpertin Claudia Dantschke konnte für einen Vortrag mit dem Titel: „Ich lebe nur für Allah – salafitische Strömungen in Deutschland“ gewonnen werden. Die sehr gut besuchte Veranstaltung zeichnete ein komplexes und differenziertes Bild verschiedener radikalislamischer Strömungen in Deutschland. Bei der anschließenden Diskussion spielte auch die Frage eine Rolle, wie Pädagogik zur Begegnung und Prävention mit bzw. von salafitischem Islamismus aussehen kann.

Was wir tun wollen
Wir möchten die bisherige AStA-Koalition mit den Grünen, den Jusos und den Piraten fortsetzen. Unsere Aufgabe als einzige wirklich unabhängige Hochschulgruppe im AStA sehen wir darin, das Ausgreifen der bundes- und landespolitischen Parteistreitigkeiten in die konkrete AstA-Arbeit möglichst fernzuhalten.
Umso wichtiger wird es deswegen sein, die LUST durch die kommenden Studierendenparlamentswahlen zu einer wesentlich stärkeren Kraft in einem linken AStA zu machen. Wir möchten uns auch weiterhin maßgeblich an den drei Referaten für Soziales, Frauen und Gleichstellung sowie politischer Bildung beteiligen und sehen darin aktuell unsere stärksten Kompetenzen.

Soll es das gewesen sein?
Natürlich könnten wir noch allerlei mehr an Vorhaben beifügen, wie es bei anderen Hochschulgruppen und ihren Selbstdarstellungen üblich ist. Die LUST möchte es sich und den Lesern jedoch ersparen, in diesen fruchtlosen Wettbewerb einzusteigen. Denn die Erfahrung zeigt, dass ein Jahr im AStA sehr kurz und die Konzentration auf wenige Projekte weit zielführender, wenngleich auch weit unspektakulärer ist, als einen Bauchladen mit populistischen Angeboten vor sich herzutragen. Wir möchten uns dennoch auf das konzentrieren, was wir konkret leisten können und dabei auf unseren dargelegten Erfolgen aufbauen. Dass wir es mit unserer Arbeit ernst meinen, wird man auch im kommenden Jahr in der BAStA nachlesen, im Studierendenparlament hören und in den Beratungen und Veranstaltungen des AStA erfahren können. Versprochen. Uns ist es aber mindestens genauso wichtig, auch über das politische Tagesgeschäft hinaus Projekte zu entwickeln, die das ohnmächtige Nischendasein der Studierenden überwinden könnten. Deswegen möchten wir zum Abschluss ein vergessenes Konzept zur studentischen Selbstverwaltung stark machen:

Getrennte Kassen für die Emanzipation
Eine wirkliche ökonomische und politische Machtverschiebung zu Gunsten der Studierenden würde eine Dreiteilung des Uni-Budgets, also eine fiskalische Drittelparität voraussetzen. Dies würde bedeuten, dass auf der einen Seite alle Studierenden, auf der anderen Seite die Professoren im Verbund mit den wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern zusammen über je ein Drittel des Hochschul-Budgets verfügen. Über das verbliebene Drittel würde in einem gemeinsamen Unigremium entschieden werden. Damit ist nicht gesagt, dass auch die anderen Drittel nicht weiterhin gemeinsam verwaltet werden könnten. Diese Reform würde das politische und wirtschaftliche Verhältnis der Studierenden zu den anderen Statusgruppen nicht nur theoretisch auf Augenhöhe bringen. In jedem Fall würde mit jahrhundertelanger Verspätung auch in der Universität eine demokratisch verfasste, wirksame Gewaltenteilung geschaffen. Die fiskalische Drittelparität würde es ermöglichen, dass die Studierenden endlich entscheidenden Einfluss auf die Organisation der Lehre hätten. Diese Umgestaltung würde eine Professionalisierung des AStA erfordern, die den Wissenversprung der bisherigen Sachwalter des Universitätsbetriebs einholen könnte. Diese Forderung zum festen Bestandteil einer jeden linken Hochschulpolitik zu machen, wird auch im kommenden Jahr unsere Aufgabe sein.

Wahlplakat: Möglichkeitssinn
Wahlplakat: Mündigkeit
Wahlplakat: Sex und Geschlecht