Die Häuser denen, die sie brauchen!

Am 5. Januar besetzten AktivistInnen der Initiative für ein libertäres Zentrum LiZ ein seit mindestens einem Jahr leerstehendes Haus der Universität in der Meckenheimer Allee 160, um dort einen Raum für selbstorganisierte Kultur und Politik zu schaffen. Die Liste Undogmatischer StudentInnen (LUST) erklärt sich mit diesem Anliegen solidarisch.

Obwohl das Haus, wie auch die anliegenden, ebenfalls in Universitätsbesitz befindlichen Gebäude, seit längerem leer steht, musste es schon am Morgen des darauffolgenden Tages wieder verlassen werden. Denn Rektor Fohrmann hatte erklärt, keine Besetzung dulden zu wollen und so wurden die BesetzerInnen angezeigt. Wie das in der bürgerlichen Gesellschaft so ist, stand die Polizei bereit, den Eigentumsanspruch der von ihm geleiteten Institution mit Gewalt durchzusetzen und zwar nur um des bloßen Eigentumsschutzes Willen — denn einen konkreten Plan zur weiteren Nutzung des Gebäudes hat der Rektor offensichtlich nicht, so dass ihn die Besetzung nicht weiter hätte stören müssen. Als Grund für den Leerstand gibt die Universität an, dass das Gebäude nicht den aktuellen Brandschutzvorschriften entspräche und sie nach Lösungen suche. Wenn aber nach über einem Jahr noch kein konkreter Plan besteht, den vorschriftsgemäßen Brandschutz wieder herzustellen und das Gebäude damit wieder einem nützlichen Zweck zuzuführen, scheint der vom Rektorat behauptete Grund recht zweifelhaft. Wir fordern den Rektor auf, ungenutzte, in Universitätsbesitz befindliche Gebäude nicht verfallen zu lassen, sondern für eine sinnvolle Nutzung in Selbstverwaltung freizugeben. Zunächst muss er aber vor allem die Anzeigen gegen die BesetzerInnen fallen lassen und damit den gesetzlich sanktionierten Gewaltakt gegen sie aufzugeben, wenn ihm an einem konstruktiven Diskussionsklima gelegen ist.

Wenn der Pressesprecher der Uni erklärt, die Besetzung habe eigentlich nichts mit ihr zu tun, dann hat er einerseits Recht, andererseits auch nicht. Sie hat nicht nur mit der Uni zu tun, aber eben auch. Denn wie andere Träger der öffentlichen Hand und viele private Eigentümer lässt auch sie potentiellen Wohn-, Lebens- und Arbeitsraum ungenutzt verfallen. Tun es die Privateigentümer vor allem, um den Raum danach gesetzeskonform sanieren und so höhere Mieteinnahmen erzielen oder um ihn gleich abreißen und gewinnträchtig verkaufen zu können, so demonstrieren die öffentlichen Einrichtungen, wie wenig ihnen tatsächlich daran gelegen ist, lebenswerte Zustände für diejenigen herzustellen, die nicht viel Geld haben. Und das sind in dieser Gesellschaft ziemlich viele: neben Flüchtlingen und vielen ArbeitsmigrantInnen, neben denen, die auf Hartz-IV angewiesen sind und denen, die sich grade so, teils mit mehreren mies bezahlten Jobs durchschlagen, gehört dazu eben auch ein sehr großer Teil der Studierenden. Ihnen allen käme ein selbstverwalteter Raum fern einer kommerziellen Nutzung zugute.

Ein Freiraum an der Uni Bonn, den Kulturinitiativen und Basisgruppen, ob universitär verankert oder nicht, nutzen können, fehlt also dringend und dies ist ein Thema, dass die Studierenden oder zumindest einen erheblichen Teil von ihnen seit Jahren immer wieder stark bewegt. Denn während es in Bonn Veranstaltungsräume für die teuer bezahlte Hochkultur gibt und neue geschaffen werden, um das Prestige der Stadt zu heben, während gewaltige Bauten großer Unternehmen im Stadtbild herumstehen und es daneben einige eher mäßige und trotzdem bezahlpflichtige und nur wenige wirklich brauchbare Clubs und Kneipen gibt, in denen sich studentisches Leben in der Öffentlichkeit abspielen kann, stehen Basisinitiativen und Kulturgruppen, Bands, Djs und Soundsystems, die kostenlos und nur um der Freude oder des Erkennnisgewinns willen Konzerte und Partys, Bildungsangebote und Vorträge organisieren wollen, im Regen. Auch Vereine wie das Kult 41 oder der zum Jahreswechsel durch Verkauf an einen neuen Eigentümer um seine früheren Räumlichkeiten gebrachte Netzladen können diesen Mangel kaum auffangen.

Als linke studentische Liste wollen wir daran mitwirken, den dringend benötigten Freiraum zu schaffen und mit der Kampagne für ein libertäres Zentrum wie auch mit der Initiative Bonn Bunt zusammenarbeiten. Im AStA wollen wir an einer Verhandlungslösung mit dem Rektorat arbeiten und so zu einer gütlichen Regelung des entstandenen Konflikts beitragen.

Flyer als PDF