Die Hölle, das ist Remagen.

Das Bündnis Remagen Nazifrei Bündnis NS Verherrlichung stoppen!lud ein zu einer Demonstration am 22.11.14 gegen den jährlich stattfindenden geschichtsrevisionistischen „Trauermarsch“: Einige Neonazis wollen die Rheinwiesenlager als ein den deutschen angetanes Auschwitz erinnert sehen.

Zur Gegendemonstration kamen mindestens 500 Antifaschistinnen und Antifaschisten. Unsere Solidarität gilt den Genossinnen und Genossen, die am Ende der Demonstrationsroute von bayerischen Polizisten geknüppelt und mit Pfefferspray angegriffen wurden. Ein Genosse musste im Krankenhaus behandelt werden.

Die Falschheit des „Trauermarschs“ war offenbar, daran gab es auch auf dem durch die Zivilgesellschaft organisierten „Tag der Demokratie“ in der Remagener Innenstadt keine Zweifel. Dort sagte der Landrat, dass die Remagener heute alle in einer Partei seien, der der zu allem bereite und immer euphorische Moderator redete davon, dass die Nazis das komplette Gegenteil ihrer Werte vertreten würden. Danach spielte eine Band („Kassalla“) ein paar Schunkellieder, alle viel zu lang und nur das Wort „Freiheit“ konnte man verstehen, dafür dutzendfach. Es hörte sich nicht wie Deutsch an, es muss es aber gewesen sein, sonst hätte es dem durchschnittlich 60 Jahre alten Publikum nicht gefallen. Die bierbepackten, nicht mehr ganz jungen Jungmänner dazwischen zogen nur vorbei, die paar rauchenden, jugendlichen Frauen saßen gelangweilt herum, unübersehbar, dass sie überall, nur nicht hier sein wollten.

Zwischendurch fragte die Band witzelnd, wer denn alles verstehe: Ein Rohrkrepierer. Auf dem Platz war sonst noch ein Stand des Bündnisses „Remagen für Frieden und Demokratie“, einer der SPD, der Grünen, die CDU war sicher auch da, irgendetwas mit Senioren und Kommunalpolitik (Logo: Rentner zertrümmern ein Hakenkreuz mit ihren Gehhilfen), die Gewerkschaft der Polizei (Kampagnenplakat: „AUCH MENSCH“), irgendetwas esoterisch aussehendes, großes Schild „STADTRAT GEGEN NAZIS“.

Eine Bestellung beim Imbissladen, „Altdeutsch“ steht in Fraktur über der Tür, dauerte eine Ewigkeit. Die zwei Kommunikationspolizisten („POLIZEI“, „KOMMUNIKATION“ auf dem Rücken) taten ihren Dienst, standen herum, wahrscheinlich bequem, da in Laufschuhen, und sprachen nicht mal miteinander. Auf diesem „Tag der Demokratie“ wurde Geld für Aussteigerprogramme für Nazis gesammelt. Irgendwann wurde der Polizei gedankt, dass sie die Verfassung verteidige. Die Hölle, das ist Remagen.

Wir weisen gerne noch auf den Redebeitrag der Gruppe Refugees Welcome Bonn hin, in der auch Mitglieder der LUST aktiv sind.