Dichtung und Wahrheit

Die Werbung der zur Wahl des Studierendenparlaments antretenden Gruppen im Überblick

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Wie vor jeder Wahl wollen wir einen kleinen Überblick über das geben, was die anderen Gruppen vor der letzten Wahl gefordert haben, was sie im letzten Jahr gemacht haben und was sie jetzt fordern. Da die Grüne Hochschulgruppe keine Koalition im Studierendenparlament mehr wollte, um stattdessen zwei Personen des RCDS in AStA-Ämter zu wählen, hatten wir folglich auch keine Koalitionspartner. Genannt haben sie das einen „offenen AStA“. Trotzdem stehen wir natürlich einigen Gruppen näher als anderen: Wir werden auch weiterhin keine Vertreter des RCDS oder der Liberalen Hochschulgruppe in Ämter wählen. Dieses Jahr treten acht Gruppen an, von denen alle bis auf KULT und unsere Gruppe Parteijugenden sind.

Der RCDS stellte im auslaufenden AStA die Referentin für Öffentlichkeit, die Vorsitzende des RCDS Bonn war, und ein stellvertretendes Mitglied des AStA-Vorsitzes. Die Referentin für Öffentlichkeit stellte einen AStA-Semesterplaner auf die Beine. Die Druckkosten betrugen 4000 Euro und das Ding sollte im AStA-Laden verkauft werden. Dass das Projekt scheitern würde, war dabei von Anfang an klar, da die Umsetzung durch und durch stümperhaft war: Mit dem Verkauf wurde erst nach Beginn des Wintersemesters begonnen, während Konkurrenzprodukte bereits vor Beginn des Wintersemesters im AStA-Laden verkauft wurden. Es wurde wohl entschieden, dass die Gestaltung nicht so wichtig sei, weshalb dieser Semesterplaner wie mit Microsoft Word gesetzt aussieht. Beworben wurde der Semesterplaner mit einigen selbst kopierten Plakaten in schwarz-weiß. Daran gedacht, dass fast alle Studierenden Smartphones mit einer Kalender-App haben, wurde offenbar nicht.

Dass menschliche Arbeit durch Maschinen erledigt wird, ist erst mal gut. Leider kann sich dadurch von Menschen geleistete Arbeit der von Maschinen geleisteten Arbeit angleichen. Es gibt Sonderfälle, in denen Menschen kaum mehr von Maschinen zu unterscheiden sind. Das zum RCDS gehörende stellvertretende Mitglied des AStA-Vorsitzes ist eine Protokollmaschine und hat ansonsten dabei mitgewirkt, eine Anwaltskanzlei zu beauftragen, um sie im Auftrag des AStA gegen die Festangestellten des AStA einzusetzen.

Der RCDS fordert seit über 10 Jahren die Einführung einer Uni-Card, weil es scheinbar eine praktische Forderung ist, gegen die niemand etwas haben kann. Die Urabstimmung letztes Jahr zeigte, dass die meisten der Leute, die ihre Stimme abgaben, dafür waren. Aus gutem Grund erwähnt der RCDS die Uni-Card im aktuellen Wahlprogramm mit keinem Wort: Der RCDS hat überhaupt nichts dafür getan, dass diese Karte eingeführt wird und schickt sich auch nicht an, irgendetwas dafür zu tun. Da sie nicht einmal an einem so klar umrissenen Projekt arbeiten, für das sie jahrelang getrommelt haben, ist absehbar, was aus dem nun von ihnen geforderten „Raum der Wünsche“ werden wird: Nichts.

Zur Piraten-HSG können wir nicht allzu viel sagen, da man über (Halb-)Tote nicht schlecht sprechen soll. Die Piraten-HSG Bonn arbeitet weiterhin wacker im IT-Referat und werkelt an einer „AStA-App“, die sich niemand aufs Android-Handy machen will. Die verbliebenen Mitglieder treten nun auf der Liste der Grünen an.

Die LISTE Bonn trat im letzten Jahr zum ersten Mal an. Auf der ersten Sitzung des Studierendenparlaments betranken sie sich (dagegen haben wir nichts) und beschimpften den RCDS mit schwulenfeindlichen sexualisierten Sprüchen (dagegen schon). Die damaligen Mitglieder der LISTE traten dann z.T. aus dieser Gruppe aus und die, die nicht austraten, hielten sich von der Politik fern. Die aktuellen Mitglieder schreiben, dass man mit Homophobie gegen Homophobie vorgehen könne. „Wiederherstellen“ wollen sie außerdem den „Chemiker-Straßenstrich“ in Endenich. Nach einer Vergewaltigungsdrohung auf Facebook im Namen der LISTE Bonn gegen eines unserer Mitglieder ist unsere Empfehlung: Laber keinen Müll im Internet, LISTE Bonn, so was hat im echten Leben Konsequenzen.

Die Grüne Hochschulgruppe stellte die 1. AStA-Vorsitzende, die Referentin für Ökologie und den Sozialreferenten. Sie hatten ein nennenswertes Projekt: „Wohnen für Hilfe“. Dabei kann man in die Wohnung einer Person ziehen und bezahlt weniger Miete, wenn man für diese Person arbeitet. Die Stelle der Person im AStA, die mit der Verwaltung dieses Projekts beauftragt ist, wurde entfristet. Es wurden ein paar Leute vermittelt. Wichtiger als das war die Forderung der Grünen, einen „offenen AStA“ einzurichten. Die Argumente, sofern es welche gab, mit denen sie das durchsetzten, haben sich als falsch herausgestellt: Der AStA leistet nicht mehr als zuvor und das, was er leistet, wurde nicht besser.

Der SDS Bonn, die studentische Parteijugend der Linkspartei, tritt dieses Jahr nach längerer Pause wieder an. Der Linkspartei-SDS hat nichts mit dem historischen SDS zu tun. Dem Linkspartei-SDS ist das bewusst, weswegen er einfach im Kostüm des historischen SDS auftritt und hundertfach wiederholt, dass der Kampf weiterginge (Dutschke). Das Kostümtheater soll irgendwo hinführen: Sie möchten „zur gesellschaftlichen Bewegung […] werden“. Das wollen sie an den Universitäten tun, denn hier sei „revolutionäre Stärke“ zu Hause. Außerdem fordern sie u.a. „Solidarität mit der Uni Bonn“, wenn die Uni Bonn bessere Verträge für sich aushandeln will und sie wollen – ein klassisch liberales Thema – eine „Entbürokratisierung der Uni“.

Die Liste KULT tritt zur Wahl an, um die aktuelle Kulturreferentin zur kommenden Kulturreferentin zu machen. Die Aufgaben des Kulturreferats sind die Verwaltung der Kulturgruppen und eigene Veranstaltungen. Das Kulturreferat macht jedes Semester eine kommerzielle Ersti-Party und die Gewinne dieser Party gehen an den Laden, in dem diese Party ausgerichtet wird. Abgesehen davon begrüßen wir es, dass sie dem „offenen AStA“ auch nichts abgewinnen können.

Die Jusos waren die verlässlichste Gruppe im Studierendenparlament und im AStA, jedoch warben sie ebenfalls für die Einführung der Uni-Card, um danach kaum etwas dafür zu tun.

Die Liberale Hochschulgruppe Bonn ist der vertrottelte Cousin des RCDS. Ihr Metier ist es, Kosten-Nutzen-Abwägungen bei der Förderung einer Bildungsfahrt nach Auschwitz anzustellen und Sexismus fällt für sie unter „nicht vorhandene Geschlechterkonflikte“. Wichtiger sind „BWL-Crash-Kurse“.

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