Als LUST begreifen wir Stadtgeschichte und vor allem Erinnerungsarbeit als wichtigen Teil unser politischen Arbeit. Einen Augenmerk legen wir dabei auf die Geschichte des Nationalsozialismus in Bonn und die Vernichtung der Bonner Jüdinnen und Juden. Während der Nationalsozialismus und die Shoah auf nationaler Ebene fester Bestand des Schullehrplans ist und in einer Vielzahl an Publikation sowie in Audio- oder Videoformat mehr oder weniger ausführlich und kritisch behandelt wird, rückt die Auseinandersetzung mit den Nationalsozialismus vor Ort, in der eigenen Stadt und Gemeinde deutlich in den Hintergrund. Ein Wissen über den Nationalsozialismus, über das Schicksal der Opfer des NS, über das Schicksal der Jüdinnen und Juden in der eigenen Stadt ist häufig nicht vorhanden. Dabei ist die Beschäftigung mit den lokalen Ereignissen, Strukturen und Verbrechen essentiell für das Verständnis des Nationalsozialismus und der Shoah. Und auch für das Verständnis der Rolle, der Verstrickung und der Verbrechen der deutschen Mehrheitsbevölkerung.

Wir haben uns daher zur Aufgabe gemacht, den Nationalsozialismus in Bonn zu beleuchten und seine Geschichte, Strukturen und Verbrechen bekannter zu machen. Wir schreiben Gedenktexte, machen Erinnerungsarbeit und führen Stadtrundgänge über Bonn zur Zeit des Nationalsozialismus durch. Auf unserer Homepage stellen wir Kurzbiografien verschiedener Bonner Opfer des Nationalsozialismus vor. Diese Auflistung beansprucht dabei keine Vollständigkeit.

Vor der nationalsozialistischen Machtübernahme zählte die jüdische Gemeinschaft in Bonn ca. 1300 Mitglieder. 1939 waren es nur noch 464. Nachdem am 27. Juli 1942 der letzte Deportationszug mit Bonner Jüdinnen und Juden zu den Vernichtungslagern fuhr, gab es offiziell kein jüdisches Leben mehr in Bonn.

Hans-Pierre Bothien geht in seinem Standardwerk zum Nationalsozialismus in Bonn („Das braune Bonn“) von folgenden Opferzahlen aus:

Personenkreis: Verfolgte insgesamt: Davon getötet:
Jüdinnen und Juden ~ 1.600-1.700 ~ 770
Zwangssterilisierte und „Euthanasie“-Betroffene ~ 4.800 ~ 380
Sinti ~ 100 ~ 50
Politisch Verfolgte(1) ~ 1.400 ~ 150
Zwangsarbeiter*innen ~ 10.0000 min. 8

(1) Diese Zahl beinhaltet alle Opfer, die nicht in eine der anderen Personenkreise fallen. Somit z.B Kommunist*innen, Sozialdemokrat*innen, im Nazi-Jargon als „Asozial“ bezeichnete, Homosexuelle, religiös Verfolgte wie Zeugen Jehovas, etc.