Dichtung und Wahrheit

Wie vor jeder Wahl möchten wir euch einen Überblick über die antretenden Hochschulgruppen geben, ihr Wahlprogramm und ihr Auftreten kritisch beleuchten und den Anspruch der jeweiligen Gruppen mit der Wirklichkeit vergleichen, an der er sich regelmäßig blamiert.   Der RCDS beteiligte sich vor drei Jahren maßgeblich dabei, den Wahlantritt der Grünen Hochschulgruppe zu verhindern, da…

Mehr lesen
Featured
am 28. Mai 2019 um 18:11 Uhr
Heute findet unser Plenum ausnahmsweise NICHT im Buchladen Le Sabot statt, sondern in der Alten VHS im "Unordnungsamt" (2. OG).
am 13. Mai 2019 um 16:51 Uhr
Wie jedes Jahr fand auch an diesem 10. Mai die Gedenkstunde zur NS-Bücherverbrennung vor dem Bonner Rathaus statt. Bei dieser Gedenkstunde wird an AutorInnen erinnert, deren Bücher 1933 von Studierenden öffentlich verbrannt worden sind. Aus Werken von einzelnen AutorInnen wird passagenweise vorgelesen. Prinzipiell liegt auch uns am Herzen, dass die Verbrechen deutscher Studierender nicht in Vergessenheit geraten und auch nicht von ihren NachfolgerInnen verdrängt werden.

Mit Recht sprach Eike Geisel allerdings schon in den 90er-Jahren davon, dass im wiedervereinigten Deutschland “Erinnerung die höchste Form des Vergessens” ist. Dies zeigte sich leider auch in der diesjährige Gedenkstunde. Anstatt die Erinnerung an das Verbrechen für sich sprechen zu lassen und allenfalls die nächstliegenden Bezüge (anhaltender antisemitischer Aktivismus unter Studierenden, die prekäre Lage von Jüdinnen und Juden in der Welt) zu erwähnen, wurde hauptsächlich moralisches Kapital aus dem eigenen “Gedenken” gezogen. So wurde in einer Rede ernsthaft eine Verbindung zwischen der Bücherverbrennung und einer wissenschaftsfeindlichen Haltung in der Klimadiskussion gezogen. Eine andere Rede bedauerte hauptsächlich, dass durch die Verbrennung der Bücher der Zugang zu einem Teil des Weltwissen verloren gegangen sei. Das könnte als gut gemeinte Verblendung angesehen werden, die lediglich einer zu oberflächlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und Antisemitismus entspringt. Erschreckender war, wie sich die weitere Gedenkstunde gestalteten sollte.

Die Gedenkstunde sollte unter dem Zeichen der anstehenden Europawahl stehen, mehrfach wurde zur Teilnahme an der Europawahl aufgerufen. Die Beteiligung an der Wahl sei ein Zeichen für die Meinungsfreiheit und gegen Fremdenfeindlichkeit. Dass es bei der Bücherverbrennung aber nicht in erster Linie um Meinungsfreiheit und schon gar nicht um Fremdenfeindlichkeit ging, fand keine Erwähnung. Es ging um Judenhass, es ging um die Vernichtung jüdischer Literatur und als jüdisch gebrandmarkten Denkens. Auch, wenn viele nichtjüdische AutorInnen Opfer der Bücherverbrennung wurden, war die Bücherverbrennung und ihr Vorlauf von Anfang an judenfeindlich motiviert. Die gesamte Veranstaltung sparte einen angemessenen Verweis auf den hauptsächlich antisemitischen Charakter der Bücherverbrennung aus und bestätigt damit Geisels These. Es überrascht folglich nicht, dass keine der fünf vorgetragenen AutorInnen jüdisch waren. Die vorgetragenen Werkpassagen sollten ebenfalls Europa zum Thema haben. Das führte dazu, dass die vorgetragenen Passagen größtenteils pazifistische Motive aufgenommen haben. Hier zeigt sich erneut, dass die Phrase der “Lehre aus zwei Weltkriegen”, die vermeintlich die Notwendigkeit von Pazifismus beweisen soll, eher dazu beiträgt das Wesen des zweiten Weltkriegs zu verschleiern. Mit dem deutschen Wahn, dass “Weltjudentum” zu vernichten, konnte man nicht verhandeln. Dies soll den pazifistischen Utopismus der AutorInnen nicht delegitimieren: zur Zwischenkriegszeit war dieser durchaus noch haltbar.

Natürlich stand beim Vorlesen der Werke die Erinnerung an die AutorInnen im Vordergrund und nicht allein der Inhalt der vorgelesenen Passagen. Gepaart mit dem Aufruf zur Europawahl, der Themensetzung Europa und der Vernachlässigung des antisemitischen Charakters der Bücherverbrennung ergab sich aber ein Gesamtbild, welches die Gedenkstunde untragbar machte. Ein Gesamtbild, welches friedensbewegt und pazifistisch war. Die Bücherverbrennung stand aber nicht im Zeichen des ersten oder zweiten Weltkrieges. Sie war kein Ergebnis oder Nebenschauplatz eines Krieges. Sie war das Produkt einer nationalsozialistischen Ideologie, getragen und gelebt von deutschen Studierenden.

Die nationalsozialistische Ideologie und das nationalsozialistische Deutschland konnte nicht mit Pazifismus begegnet werde, sie mussten mit Krieg bekämpft werden, um die deutsche Barbarei zu beenden.

Beim Gedenken an die Bücherverbrennung als Nachfolgenation der Täter Pazifismus, die Europawahl und den Klimawandel in den Vordergrund zu stellen ist unangebracht. Das Gedenken zur Werbung für die Wahl und sogar bestimmte Wahlthemen zu machen ist beschämend. Bei der Gedenkstunde keinen jüdischen Autor oder jüdische Autorin vorzulesen sollte eigentlich Zeichen genug sein, den Ablauf der Gedenkstunde zu überdenken.
am 01. Mai 2019 um 12:34 Uhr Link
Nicht vergessen:

Ab 14h Demo am Friedensplatz
Ab 16h Fest in der Alten VHS mit Kuchen, KüFa und Livebands.

Kommt rum! Die Sonne tut es auch noch.

https://www.facebook.com/events/332351754298981/?ti=cl
Nachrichtenbild

Wahlprogramm der LUST

Zur Wahl des Studierendenparlaments 2017

Wir sind mit drei von 43 Sitzen im Studierendenparlament vertreten und nach der Wahl im Januar 2016 wurde die Zusammensetzung des AStAs grundlegend verändert. Hatten bislang Gruppen mit hinreichend kompatiblen politischen Zielen eine Koalition gebildet, um den AStA zu wählen, verlangten die Grünen nun den „offene AStA“. Praktisch bedeutet das: Der RCDS wurde in…

Mehr lesen

Wir nehmen heute nicht an der “Elefantenrunde” teil. Allen, die den Abend sinnvoll verbringen möchten, legen wir den Besuch des Vortrags “Feministisch Feiern” (Hörsaal 3, ab 20 Uhr) nahe. Weshalb die “Elefantenrunde” bestenfalls autoerotische Selbstbespiegelung ist, haben wir in zwei Texten zu den “Elefantenrunden” 2014 und 2015 dargelegt:

https://lustbonn.org/…/von-wahl-automaten-elefantenrunden-u…/
https://lustbonn.org/20…/…/15/elefantenrunden-zu-katzenecken/

Selbstverwaltete Räume für alle StudentInnen!

Ein Flyer zur Wahl 2016

Wir fordern: Selbstverwaltete Räume für alle StudentInnen! Das heißt: Räume, in denen man sich uneingeschränkt von Verwertungslogik und falscher Normierung aufhalten kann, Räume, die frei sind von (kommerziellen) Zwängen sowie Leistungs- und Konkurrenzdruck. Räume, in denen wir selbst Kunst schaffen, Musik machen, uns ungezwungen aufhalten, austauschen und vernetzen können, in denen wir längerfristig an Projekten arbeiten und dazu Material lagern können, uns für die universitären Lehrpläne „irrelevantes“ Wissen durch…

Mehr lesen

Bonner General-Anzeiger gräbt fragwürdige Geschichte gegen Party mit Geflüchteten aus

Lokalblatt steigt in rassistische Hetze mit ein

Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht und der folgenden, zumeist rassistisch aufgeladenen Debatte richtet nun der Bonner General-Anzeiger sein Fähnchen nach dem Wind und gräbt eine Meldung aus dem November aus. Mit der Behauptung, erst jetzt sei ein entsprechendes Schreiben bekanntgeworden, berichtet das rechtskonservative Bonner Blatt am Donnerstag von einer Party aus dem Herbst…

Mehr lesen

Marginalien zur Debatte um die Kölner Silvesternacht

Vieles ist bereits gesagt worden zu den sexuellen Angriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht, das meiste davon Unsinn, freilich. Woher qualifiziertere Einschätzungen zu den Vorkommnissen zu beziehen waren, das wissen unsere Leser_innen vermutlich zur Genüge. Deshalb geht es uns im Folgenden nicht darum, die nächste Aufarbeitung des Ganzen zustande zu bringen, sondern ein paar…

Mehr lesen

Seminarfahrt nach Oswiecim/Auschwitz

“Kosten und Nutzen” (Liberale Hochschulgruppe)

Gestern wurde auf der Sitzung des Studierendenparlaments wieder über einen durch uns gestellten Antrag zur Förderung der jährlichen Seminarfahrt nach Oswiecim/Auschwitz in der Höhe von 2000 Euro abgestimmt. Organisiert wird die Fahrt vom AK Gedenkstättenfahrt an der FH Düsseldorf. Nachdem ein Mitglied der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) “Kosten und Nutzen” vergleichen wollte, vom “nicht so glorreichen…

Mehr lesen