Otto Renois, erstes Bonner Todesopfer

des NS-Regimes

8. August 1892 – 4. April 1933

Otto Renois wurde 1892 im heutigen polnischen Gryżyna (bis 1945 Greisel) geboren. Als gelernter Modellschreiner kam er auf seinen Wanderjahren nach Bonn, wo er sich 1919 niederließ. 1922 heiratet er die Bonnerin Margarethe Schlimbach, 1927 wurde der gemeinsame Sohn Manfred geboren. Bis zu Renois Tod lebte die dreiköpfige Familie in Poppelsdorf.
Otto Renois betätigte sich politische in der Bonner KPD und zog bei den Wahlen zur Bonner Stadtverordnetenversammlung (der heutige Stadtrat) 1929 auf Listenplatz 3 in den Bonner Stadtrat rein. Die Wahlen von 1929 waren die letzten wirklich freien Kommunalwahlen in der Weimarer Republik. Als einer von drei kommunistischen Abgeordneten war Renois vor allem in der Sozialpolitik tätig und war der KPD-Vertreter im Wohlfahrts- und im Bauauschuss. Er setzte sich unter anderem für Mietbeihilfen für Unterstützungsempfänger, Anhebung der Wohlfahrtssätze oder Einrichtung von Suppenküchen ein. Otto Renois galt als ein über die Fraktionsgrenzen hinweg geschätzter Abgeordneter.

Nachdem Hitler kurz nach seiner Ernennung zum Reichskanzler neben dem Reichstag auch sämtliche Landes- und Kommunalparlamente auflösen ließ, musste auch der Bonner Stadtrat neugewählt werden, obwohl die Ratsperiode erst Endes des Jahres geendet hätte. Wie schon bei den neu angesetzten Reichstagswahlen, stand auch der Wahlkampf zu den Stadträten bereits unter dem Eindruck der aufkommenden Diktatur. Als nach dem Reichstagsbrand eine Verhaftungswelle über Kommunist*innen hereinbrach, wurden auch viele Bonner Kommunisten in die sogenannte Schutzhaft genommen oder schafften es unterzutauchen.
Bei den Bonner Kommunalwahlen schaffte es die KPD trotz der Repressionen ihr Ergebnis von drei Mandaten zu halten, auch Renois zog wieder in den Bonner Stadtrat ein. Wahrnehmen konnte keiner der drei KPD-Abgeordneten sein Mandat. Einerseits, weil allen kommunistischen Abgeordneten das Mandat entzogen worden war. Gleichzeitig waren die Abgeordneten Wilhelm Parsch und Heinrich Lein zeitweise in Schutzhaft, Renois konnte untertauchen. Da es Renois als einer der wenigen Kommunisten gelang, für eine längere Zeit untergetaucht zu bleiben, wurde er zum meist gesuchten KPD-Funktionär der Region. Renois hielt sich wahrscheinlich in verschiedenen Wohnungen in Bonn und Köln auf.

Am 3. April 1933 kehrte Renois zu seiner Familie nach Poppeldorf zurück, um sich von dieser zu verabschieden, bevor er in das vom Völkerbund verwaltete Saarland fliehen konnte. Dabei wurde er von einer SS-Streife erkannt und festgenommen. Bereits beim Abtransport wurde er im Fahrzeug misshandelt. Auf Höhe der Poppeldorfer Allee soll ein SS-Mann Renois’ Hut aus dem Fenster geworfen und ihn aufgefordert haben, diese aufzuheben. Dabei wurde Renois hinterrücks erschossen. Obwohl er direkt in ein Krankenhaus gebracht wurde, starb Renois in der Nacht auf den 4. April. Die Bonner NSDAP verbreitete nach dem Tod die Behauptung, dass Renois flüchten wollte und daher erschossen wurde. Renois Frau versuchte zusammen mit anderen Bonner Kommunist*innen durch geheime Flugblätter ihre Zweifel an der offiziellen Versionen Ausdruck zu verleihen. Insgesamt zweifelte die Bonner Bevölkerung wohl an der Version der NSDAP, zum Begräbnis von Renois fand sich eine große Menschenmenge ein.

Der Mord vom 4. April 1933 machte Otto Renois zum ersten Bonner Todesopfer des NS-Regimes.