Featured
am 13. Mai 2019 um 16:51 Uhr
Wie jedes Jahr fand auch an diesem 10. Mai die Gedenkstunde zur NS-Bücherverbrennung vor dem Bonner Rathaus statt. Bei dieser Gedenkstunde wird an AutorInnen erinnert, deren Bücher 1933 von Studierenden öffentlich verbrannt worden sind. Aus Werken von einzelnen AutorInnen wird passagenweise vorgelesen. Prinzipiell liegt auch uns am Herzen, dass die Verbrechen deutscher Studierender nicht in Vergessenheit geraten und auch nicht von ihren NachfolgerInnen verdrängt werden.

Mit Recht sprach Eike Geisel allerdings schon in den 90er-Jahren davon, dass im wiedervereinigten Deutschland “Erinnerung die höchste Form des Vergessens” ist. Dies zeigte sich leider auch in der diesjährige Gedenkstunde. Anstatt die Erinnerung an das Verbrechen für sich sprechen zu lassen und allenfalls die nächstliegenden Bezüge (anhaltender antisemitischer Aktivismus unter Studierenden, die prekäre Lage von Jüdinnen und Juden in der Welt) zu erwähnen, wurde hauptsächlich moralisches Kapital aus dem eigenen “Gedenken” gezogen. So wurde in einer Rede ernsthaft eine Verbindung zwischen der Bücherverbrennung und einer wissenschaftsfeindlichen Haltung in der Klimadiskussion gezogen. Eine andere Rede bedauerte hauptsächlich, dass durch die Verbrennung der Bücher der Zugang zu einem Teil des Weltwissen verloren gegangen sei. Das könnte als gut gemeinte Verblendung angesehen werden, die lediglich einer zu oberflächlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und Antisemitismus entspringt. Erschreckender war, wie sich die weitere Gedenkstunde gestalteten sollte.

Die Gedenkstunde sollte unter dem Zeichen der anstehenden Europawahl stehen, mehrfach wurde zur Teilnahme an der Europawahl aufgerufen. Die Beteiligung an der Wahl sei ein Zeichen für die Meinungsfreiheit und gegen Fremdenfeindlichkeit. Dass es bei der Bücherverbrennung aber nicht in erster Linie um Meinungsfreiheit und schon gar nicht um Fremdenfeindlichkeit ging, fand keine Erwähnung. Es ging um Judenhass, es ging um die Vernichtung jüdischer Literatur und als jüdisch gebrandmarkten Denkens. Auch, wenn viele nichtjüdische AutorInnen Opfer der Bücherverbrennung wurden, war die Bücherverbrennung und ihr Vorlauf von Anfang an judenfeindlich motiviert. Die gesamte Veranstaltung sparte einen angemessenen Verweis auf den hauptsächlich antisemitischen Charakter der Bücherverbrennung aus und bestätigt damit Geisels These. Es überrascht folglich nicht, dass keine der fünf vorgetragenen AutorInnen jüdisch waren. Die vorgetragenen Werkpassagen sollten ebenfalls Europa zum Thema haben. Das führte dazu, dass die vorgetragenen Passagen größtenteils pazifistische Motive aufgenommen haben. Hier zeigt sich erneut, dass die Phrase der “Lehre aus zwei Weltkriegen”, die vermeintlich die Notwendigkeit von Pazifismus beweisen soll, eher dazu beiträgt das Wesen des zweiten Weltkriegs zu verschleiern. Mit dem deutschen Wahn, dass “Weltjudentum” zu vernichten, konnte man nicht verhandeln. Dies soll den pazifistischen Utopismus der AutorInnen nicht delegitimieren: zur Zwischenkriegszeit war dieser durchaus noch haltbar.

Natürlich stand beim Vorlesen der Werke die Erinnerung an die AutorInnen im Vordergrund und nicht allein der Inhalt der vorgelesenen Passagen. Gepaart mit dem Aufruf zur Europawahl, der Themensetzung Europa und der Vernachlässigung des antisemitischen Charakters der Bücherverbrennung ergab sich aber ein Gesamtbild, welches die Gedenkstunde untragbar machte. Ein Gesamtbild, welches friedensbewegt und pazifistisch war. Die Bücherverbrennung stand aber nicht im Zeichen des ersten oder zweiten Weltkrieges. Sie war kein Ergebnis oder Nebenschauplatz eines Krieges. Sie war das Produkt einer nationalsozialistischen Ideologie, getragen und gelebt von deutschen Studierenden.

Die nationalsozialistische Ideologie und das nationalsozialistische Deutschland konnte nicht mit Pazifismus begegnet werde, sie mussten mit Krieg bekämpft werden, um die deutsche Barbarei zu beenden.

Beim Gedenken an die Bücherverbrennung als Nachfolgenation der Täter Pazifismus, die Europawahl und den Klimawandel in den Vordergrund zu stellen ist unangebracht. Das Gedenken zur Werbung für die Wahl und sogar bestimmte Wahlthemen zu machen ist beschämend. Bei der Gedenkstunde keinen jüdischen Autor oder jüdische Autorin vorzulesen sollte eigentlich Zeichen genug sein, den Ablauf der Gedenkstunde zu überdenken.
am 01. Mai 2019 um 12:34 Uhr Link
Nicht vergessen:

Ab 14h Demo am Friedensplatz
Ab 16h Fest in der Alten VHS mit Kuchen, KüFa und Livebands.

Kommt rum! Die Sonne tut es auch noch.

https://www.facebook.com/events/332351754298981/?ti=cl
Nachrichtenbild
am 24. April 2019 um 16:42 Uhr Link
Gemeinsam am 3.5. der AfD den Wahlkampf versauen 😎 Wir machen tatkräftig mit bei Bonn gegen Rechts!

Dichtung und Wahrheit

Wie vor jeder Wahl möchten wir euch einen Überblick über die antretenden Hochschulgruppen geben, ihr Wahlprogramm und ihr Auftreten kritisch beleuchten und den Anspruch der jeweiligen Gruppen mit der Wirklichkeit vergleichen, an der er sich regelmäßig blamiert.   Der RCDS beteiligte sich vor drei Jahren maßgeblich dabei, den Wahlantritt der Grünen Hochschulgruppe zu verhindern, da…

Mehr lesen

Wahl zum 40. Studierendenparlament

DRUCKVERSION Da nächste Woche wieder die alljährlichen Wahlen zum Studierendenparlament stattfinden, wollen wir euch unser Wahlprogramm nicht vorenthalten…

Read more

Vom Oktoberfestattentat bis zum NSU (Vortrag & Diskussion)

Mittwoch, 24.05.17, 20 Uhr, Hörsaal 8

Vom Oktoberfestattentat bis zum NSU – Kontinuitäten der rechten Gewalt und des staatlichen Versagens Der NSU-Prozess nähert sich mit dem 361. Verhandlungstag allmählich dem Umfang eines vollen Kalenderjahres. Immer wieder verzögern neue Erkenntnisse, unzureichende Vernehmungen und ausweichende Aussagen von Zeug*innen den Prozessverlauf. Neben dem erschreckenden Ausmaß der rechtsterroristischen Gewalt des NSU, fächert sich auch der…

Mehr lesen

Dichtung und Wahrheit

Die Werbung der zur Wahl des Studierendenparlaments antretenden Gruppen im Überblick

Wie vor jeder Wahl wollen wir einen kleinen Überblick über das geben, was die anderen Gruppen vor der letzten Wahl gefordert haben, was sie im letzten Jahr gemacht haben und was sie jetzt fordern. Da die Grüne Hochschulgruppe keine Koalition im Studierendenparlament mehr wollte, um stattdessen zwei Personen des RCDS in AStA-Ämter zu wählen,…

Mehr lesen

Wir werden uns nicht an der Sendung „Listencheck“ des Bonner Uni-Radios beteiligen. Bei dieser Sendung sollen Kandidierende aller zur SP-Wahl antretenden Listen jeweils 15 Minuten lang Fragen gestellt bekommen. Es handelt sich um das Nachfolgeformat zur „Elefanten-Runde“, eine Podiumsdiskussion mit VertreterInnen der antretenden Listen, die vor den vergangenen Wahlen stattfand. Das Publikum der Elefanten-Runde setzte…

Mehr lesen

Wahlprogramm der LUST

Zur Wahl des Studierendenparlaments 2017

Wir sind mit drei von 43 Sitzen im Studierendenparlament vertreten und nach der Wahl im Januar 2016 wurde die Zusammensetzung des AStAs grundlegend verändert. Hatten bislang Gruppen mit hinreichend kompatiblen politischen Zielen eine Koalition gebildet, um den AStA zu wählen, verlangten die Grünen nun den „offene AStA“. Praktisch bedeutet das: Der RCDS wurde in…

Mehr lesen

„Schon heute bringt der Student alle zum Lachen“

Die Universität Bonn gab bekannt, dass sie den Vertrag mit der VG Wort nicht unterschreiben wird. Das hätte zur Folge, dass einige Dateien aus eCampus verschwinden würden. Letztlich passiert, was abzusehen war: Die VG Wort knickt ein, der alte Vertrag wird voraussichtlich bis Ende September 2017 weiter gelten und dann kommt ein Vertrag dabei heraus, der schlechter für die VG Wort sein wird.

Im Folgenden geht es darum, weshalb das abzusehen war und weshalb wir keine nennenswerten Sympathien für die Beteiligten dieser Auseinandersetzung haben. Außerdem soll sie als Beispiel dienen, um auf studentische Ideologie hinzuweisen.

Mehr lesen